Provokant! Ägypter nehmen lieber Euros statt Landeswährung stimmt nicht!
Ich stimme dieser subjektiven Meinung der Touristen nicht zu

Ich widerspreche der subjektiven Erfahrung der Touristen ganz energisch, dass Mitarbeiter Trinkgeld lieber in Euros möchten, als in Landeswährung. Warum sollte er?
Argument Nr. 1: Ich tausche die Münzen ja in Scheine
Glauben Sie mir, ich wechsle Hunderte von Euros um in ägyptische Landeswährung ! Keiner fragt mich, in Euros zu wechseln! Im Gegenteil, ich bekomme auch Scheine in Fremdwährung, Dollar und Euros, und sie akzeptieren auch einen abgerundeten Kurs, nur um Geld zu bekommen, welches sie nutzen können!
Es geht nicht darum, dass sie lieber Euros möchten, es geht darum, das man entsprechend des Wertes das Trinkgeld oder die Bezahlung in ägyptischen Pfund gibt. Da die Menschen sich so schwertun mit dem Umrechnen! 1 Euro ist derzeit etwa 56 LE! Jeder, der Sachen für 1 Euro verkauft, nimmt dafür auch 50 LE!
Argument Nr. 2: Er kann dann zu einem besseren Kurs tauschen!
- Münzen kann er nicht auf legalem Weg tauschen. Kellner, Roomboys oder auch Reiseführer, kommen mit 100erte von Münzen und versuchen diese zu tauschen. Man nötigt sie dadurch förmlich, illegal auf dem Schwarzmarkt zu tauschen.
- 2. Hat er dann die harte Währung in Scheinen, so müsste er diese ja aufbewahren, bis die nächste Geldabwertung kommt, nur dann hat er enen vermeintlichen „Gewinn“. Da jedoch aus einer Kursabwertung immer eine Inflation nach sich zieht, sind auch die Kosten entsprechend höher und er hat nichts gewonnen.
- Meist kann auf er jedoch auf das Trinkeld nicht verzichten. Bei einem Mindestgehalt von umgerechnet 130€ braucht es zum Leben!
- Wenn ein Kellner bei einer Polizeikontrolle auf der Straße mit 100 bis 200 Euro in bar angetroffen wird, entspricht das bereits ein bis zwei komplette Monatsgehälter.
Das Problem: Bei solchen Summen schöpfen Behörden sofort Verdacht. Es ist für den Angestellten extrem schwer zu beweisen, dass dieser Betrag rein aus ehrlichem, angespartem Trinkgeld stammt und nicht aus illegalen Devisengeschäften auf dem Schwarzmarkt.
Argument 3: Er will lieber Euros, dann soll er sie doch bekommen!
Das einzig erlaubte Zahlungsmittel ist das Ägyptische Pfund.
· Weder der Kellner, Roomboy ... kann mit Euros etwas kaufen
· Noch ist es dem Taxifahrer, Supermarktbesitzer oder Restaurantbesitzer erlaubt, Fremdwährung anzunehmen.
Ausnahmen im Gesetz oder über Sonderregelungen gibt es primär für:
· Staatlich genehmigte Tourismusbetriebe (Hotels und lizensierte Reiseveranstalter). Diese sind gesetzlich berechtigt und oft sogar verpflichtet, von ausländischen Touristen Zahlungen in Fremdwährung anzunehmen, müssen diese Devisen jedoch ordnungsgemäß über das Bankensystem deklarieren.
Drastische Strafen bei Verstößen (Artikel 233)
Ägypten geht wegen anhaltender Devisenknappheit extrem streng gegen den illegalen Devisenmarkt (Schwarzmarkt) vor. Wer Fremdwährungen außerhalb der lizenzierten Institutionen kommerziell annimmt, tauscht oder damit handelt, begeht eine schwere Straftat. Die Strafen nach Artikel 233 umfassen:
- Freiheitsstrafen zwischen 3 und 10 Jahren.
- Geldstrafen von mindestens 1 Million bis zu 5 Millionen Ägyptischen Pfund.
- Die vollständige Beschlagnahmung der involvierten Geldbeträge.
Und noch etwas: Scheine in Fremdwährung, die beschädigt oder bemalt sind, werden auch von der Bank nicht gewechselt. Ein Kellner hat einen 100 Dollarschein als Zahlung angenommen und bekommt diesen nicht gewechselt. Fast ein Monatslohn ist für ihn jetzt in einer Währung, mit der er nichts anfangen kann!
Fazit: Um den Angestellten bürokratischen Ärger, unangenehme Kontrollen oder die Versuchung des illegalen Schwarzmarkts zu ersparen, bleibt das Trinkgeld in Ägyptischen Pfund (EGP) immer die sicherste und beste Variante.
Und noch etwas: Scheine in Fremdwährung, die beschädigt oder bemalt sind, werden auch von der Bank nicht gewechselt. Ein Kellner hat einen 100 Dollarschein als Zahlung angenommen und bekommt diesen nicht gewechselt. Fast ein Monatslohn ist für ihn jetzt in einer Währung, mit der er nichts anfangen kann!
Wenn Sie also jemanden etwas Gutes tun wollen, dann wechseln Sie einfach an einem ATM Geldautomat Euros in Landeswährung oder ziehen sie mit ihrer Bankkarte heimische Währung. Da meistens 200 LE ausgezahlt werden, geben Sie halt jeden 2. Tag Trinkgeld.
Wie hoch sollte das Trinkgeld sein?
Immer wieder bemerke ich, wie unsicher sich die Gäste in puncto Trinkgeld sind. Wie mache ich das im Hotel? Was gibt man bei Ausflügen? Welches Trinkgeld ist beim Taxi angemessen? Gerne möchte ich hier ein paar Richtlinien als Hilfestellung geben.
Allgemein
Grundsätzlich ist Trinkgeld eine freiwillige Sache die einen besonders freundlichen Mitarbeiter besonders wertschätzt. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass gerade in Ägypten das Trinkgeld vom Arbeitgeber als fester Lohnbestandteil mit einberechnet wird.
Hinweis: Der Mindestlohn beträgt derzeit etwa 6000 LE. Bitte rechnen Sie das jetzt nicht in Euro um, denn die Lebensunterhaltskosten sind natürlich hier auch anders. Der Mindestlohn soll für Sie als Referenzwert dienen, um andere Preise besser ins Verhältnis zu setzen. Wie auch in Deutschland wurden die Einkommen nicht entsprechend der Inflation angepasst, sonst wäre der Mindestlohn jetzt bei etwa 8000–10000 LE. Das ist auch die Summe, die ein Ägypter braucht, um einigermaßen gut über die Runden zu kommen. Deshalb ist man auf das Trinkgeld in jeder Branche angewiesen.
Paradoxerweise bemerke ich immer wieder, dass Gäste vollkommen entsetzt über die geringen Löhne sind, trotzdem beim Trinkgeld knausern, oder sie wissen einfach nicht, was üblich ist.
Trinkgeld im Hotel
Es ist sehr schwer, für alle Hotelmitarbeiter eine brauchbare Formel zu geben. Es arbeiten so viele im Hintergrund: Reinigungskräfte, Wäscherei, Küche, Buchhaltung, Qualitätsmanagement... , wie eben auch in Deutschland.
Oft steht an der Rezeption eine Tippbox, dessen Inhalt in der Regel mit allen Mitarbeitern aufgeteilt wird. Es ist auch von Hotel zu Hotel unterschiedlich, wie es gehandhabt wird. Ich kenne Hotels, da wird Taschenkontrolle gemacht, weil das gesamte Trinkgeld abgegeben werden muss. In den meisten jedoch gibt es für die verschiedenen Abteilungen Möglichkeiten, Trinkgeld abzugeben. Und natürlich wird das Personal mit direktem Kundenkontakt mit Trinkgeld bevorzugt, weil man einfach direkt von der Dienstleistung profitiert oder eben unzufrieden ist.
Tipp: In vielen Hotels gibt es eine persönliche Begrüßung durch den Generalmanager. Fragen Sie ihn, wie es in dem Hotel gehändelt wird!
Ansonsten plane ich mein Trinkgeld wie folgt:
- 100 LE pro Paar beim Essen/Zimmer/Poolservice/Bar je Tag
- Kofferboy/Toilettenreinigung/Masseur oder ähnliches 50 LE pro Dienstleistung
- À la carte Rechnungen immer 10 % des Rechnungspreises
- Trinkgeldboxen jede Abteilung 500 LE pro Woche oder 2500 LE in die Gemeinschaftsbox.
Im Restaurant
Es ist bei den Einheimischen üblich, dass immer derjenige, der den Tisch bestellt auch für alle bezahlt. Deshalb kann es zu Unstimmigkeiten kommen, auch wenn man bereits zu Beginn um getrennte Rechnungen gebeten hatte.
Der nächste Unterschied liegt darin, dass die Aufgaben eines Kellners, im Vergleich zu Europa, hier in verschiedene Arbeitsschritte auf verschiedene Mitarbeiter aufgeteilt wird. Einer platziert, einer nimmt die Bestellung an, einer bringt die Speisen, einer räumt ab, einer kassiert und der niedrigste Rang säubert die Tische. Das liegt daran, dass man möglichst vielen Mitarbeitern Arbeit geben möchte. Die Mitarbeiter können sich jedoch entsprechend hocharbeiten.
Eine weiterer, eklatanter Unterschied ist der Preis auf der Menükarte, der nicht wie in Deutschland ein inkl. Preis sein muss. Achten Sie immer darauf, ob in den Preisen 12% Service und 14% Steuern enthalten sind. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es gesetzlich vorgeschrieben ist, „Inklusivpreise“ anzugeben, hat man hier den Spielraum, die Preise ohne Service oder/und Steuer auszuweisen. Da kann man schon mal erschrecken, wenn aus dem vermeintlich günstigen Restaurantbesuch ein relativ teurer wird, weil auf einmal 26% mehr bezahlt werden muss.
Hinweis: Die 12 % Servicegebühr bedeutet nicht, dass die der Kellner erhält! Deshalb entbindet es den Gast auch nicht vom Trinkgeld. Die Servicegebühr ist für die Bezahlung des Personals, also für alle!
10% des Rechnungspreises ist als Trinkgeld angemessen.
Sollte man die Toilette benutzen, bitte 50 LE nicht vergessen!
Wie bezahlt man?
Tatsächlich ist es in jedem Restaurant das gleiche Procedere. Man verlangt die Rechnung. Die Rechnung wird in einer Mappe oder einem Kästchen gebracht. Nachdem die Summe kontrolliert wurde, besonders wenn man eine Aufsplittung wollte, legt man dann das Bargeld zur Rechnung in die Mappe und gibt diese dem Kellner, der dann das Wechselgeld darin zurückbringt. Jetzt lässt man einen Teil des Wechselgeldes in der Mappe oder legt etwas dazu. Wenn man das komplette Restgeld als Trinkgeld geben möchte, dann gibt man einfach die Mappe direkt wieder zurück mit dem Wort „shukran“.
Hinweis:
Wer mit Kreditkarte bezahlt sollte trotzdem 10 % des Rechnungsbetrages als Trinkgeld in bar in die Rechnungsmappe legen, in ägyptischen Pfund.
Achtung, die Kreditkartenlesegeräte haben inzwischen die Zahlentastatur verändert, damit niemand durch Beobachtung die Geheimzahl nachvollziehen kann. Bedeutet jedoch, genau auf das Lesegerät schauen!
Trinkgeld bei Ausflügen oder Fahrten
Auch hier heißt es, immer genügend 50 und 100 LE Scheine dabei haben.
- Busfahrern/Bootscrew gibt man auch zwischen 50 LE und 100 LE
- Fahrern bei privaten Tagestouren gibt man 200 LE pro Person/Tag
- Reiseführern gibt man zwischen 250 und 500 LE pro Person/Tag
- Toilette 20 - 50 LE
- Taxi 10 LE pro KM plus 10-20% Trinkgeld, je kürzer die Strecke, desto mehr prozentual.
Ich hoffe, mit meinem Beitrag ein bisschen die Unsicherheit bezüglich des Trinkgeldes genommen zu haben. Übrigens, auch zu viel Trinkgeld ist nicht gut, denn dann wird die Erwartungshaltung aller höher. Trinkgeld ist und bleibt ein freiwilliges Geben für freundlichen und umsichtigen Service.











